Angstfrei Klettern

Mir ist es ein persönliches Interesse, das Klettern angstfrei und bewusst gestalten zu lernen und Freude an der Bewegung, dem Miteinander und der Natur zu entwickeln. Ich sehe darüber hinaus die Möglichkeit, individuelle Erfahrungen – wie der Umgang mit Unsicherheiten oder Ängsten – in das soziale Leben außerhalb des Kletterns zu übertragen und richte daher meinen beruflichen Fokus zunehmend auf diesen Bereich des Kletterns.

All dies greife ich künftig in meinen „Mental-Coachings“ auf – siehe Angebote

Wirkung des freien Atems auf die Psyche

Hier ein kleiner Exkurs von der Seite „Der freie Atem“ von der Praxis für Naturheilkunde, welches sehr gut ausdrückt wie sich der Atem auf uns auswirkt und welche Möglichkeiten durch eine Schulung des Bewusstseins möglich sind:

http://der-freie-atem.com/psyche.html

„Ängste, Selbstwertprobleme, Zweifel, Stress oder Nervösität sind heute sehr häufige Erscheinungen und können auch beim Klettern auftreten oder gar „ausbrechen“. Bei diesen ist das Bewusstsein nicht frei, sondern wie besetzt und eingeengt von bestimmten Emotionen und kreisenden Gedanken. Eine klare Wahrnehmung, ein klares Denken und auch ein zuversichtlicher Blick nach vorne sind kaum mehr möglich. Aber auch der Atem ist bei diesen Beschwerden immer beladen und eingeengt. So weisen auch viele Redewendungen auf diesen engen Zusammenhang zwischen Atem und Psyche hin: „Jetzt kann ich wieder frei durchatmen“, „das nimmt mir die Luft zum Atmen“.

„Nun ist das Befreien und Erweitern des Bewusstseins (der Psyche, der Seele) ein wesentlicher Ansatz zur Förderung des freien Atems. Kann der Mensch z. B. seine beengenden Emotionen zurücklassen, wieder unbefangener und frei auf etwas zugehen und sogar Interesse dafür entwickeln, so wird seine Seele, sein Atem günstig in Bewegung gebracht.“

Durch die freie Atemschule lernt der Mensch neue tiefere Möglichkeiten und Perspektiven kennen. Dieses Neue ermöglicht zum einen ein relativ unkompliziertes Zurücklassenkönnen von alten belastenden Erfahrungen. Auf der anderen Seite sind diese Möglichkeiten und Perspektiven so umfassend, lebenspraktisch, vielfältig formuliert, so dass er sein Leben in fast allen Bereichen dadurch neu inspirieren, erweitern und sogar neu gründen kann.

Fallbeispiel:

Kleingruppe von 5 Personen mit Angst und depressiver Störung (gemischt) nach ICD 10 F 41,2

Kurze Schilderung der Symptomatik

Angstpatienten sind gezeichnet von erhöhter Nervosität bei neuen Herausforderungen, Sorge um die Zukunft, neigen zu Selbstwerteinbrüchen, Verlorenheit, es fehlt an Mut, Ideen nachzugehen und Ziele zu fassen, um sie willenskräftig umzusetzen; damit einhergehend die Neigung, sich von anderen Entscheidungen abnehmen, sich bestimmen zu lassen und angepasst zu sein.

Übungsansatz

Zusätzlich zur psychotherapeutischen Gesprächstherapie wurden einige Übungseinheiten zum freien Atem angeboten. Eine sehr einfache Übung, die das Bewusstsein des Übenden auf das Ein- und Ausatmen lenkt, ist etwa das Öffnen der Arme zu einer weiten Geste in den Raum, um sich sympathisch mit der Umwelt zu verbinden. Dabei lässt man den Atem im Einatmen frei einströmen. Der Übende geht hierbei im Raum mit langsamen Schritten vorwärts und bleibt zwischenzeitlich auch kurz stehen. Ein weiterer Schritt ist, bei der Ausatmung die Arme zurück zu nehmen und die Hände auf den Brustbereich zu legen – eine Bewegung, die sich von der Umwelt zurückzieht; der Mensch lässt das Außen los und sucht Abstand. Dies kann mit der seelischen Regung von Antipathie assoziiert werden.

Heinz Grill schreibt hierzu: „ So wie er sich mit dem Einatmen aktiv mit der Sphäre verbindet und in die Welt tiefer eindringt, so zieht er sich mit dem Ausatmen gewissermaßen von dieser Willensaktivität zurück und sucht eine sichere Distanz. Die beiden großen Bewegungen des In-die Welt-Tretens und Aus-der-Welt sich Zurückziehens beschreiben die beiden großen Wirkungsfelder, in denen der menschliche Körper eingebunden ist.“  Zitat aus “Der freie Atem” von Heinz Grill  S. 22

Eine wesentliche Erfahrung, die Patienten bei dieser Übung gemacht haben ist, dass ein Öffnen und ein Zurücknehmen in der Atmung angelegt ist und übertragen auf das Leben und in seelische Prozesse, ein Nur-offen-Sein für die Umwelt zu einer Verausgabung führt und es auch eines Zurücknehmens, sich Ordnens und Zentrierens bedarf. Das Wahrnehmen einer sammelnden Dynamik, in einem Zentrum bei sich selbst, wo er sich als Person erlebt, war eine wesentliche Erfahrung beim Übenden.

Diese Übungssequenzen wurden in der Folge noch unterstützt durch weitere Yoga-Übungen z.B durch die Waage (tuladandasana) wie oben beschrieben und den Baum (tadasana). Diese Yogaübung, die auf einem Bein stehend praktiziert wird, ist eine Herausforderung für das Gleichgewicht. Der Übende erlebt hierbei den Zustand des Offenseins durch die ausgebreiteten Arme und eine darauffolgende sammelnde Geste durch das Zusammenführen der Hände vor der Brust.

Der Atem in seiner freien Dimension wurde vom Patienten als beruhigend und zentrierend erfahren.

Des Weiteren wurde eine Übung durchgeführt, die als Fisch (matsyasana) bezeichnet wird. Der Übende liegt hierbei am Rücken und stützt sich auf seinen beiden Ellenbogen am Boden auf. In dieser Position wird die Brustwirbelsäule angehoben, womit sich auch der Brustkorb samt dem Lungenorgan wölbt und weitet.

Während der Durchstreckung wird die Atmung frei gelassen und fließt dadurch leicht, frei und sensibel im Brustkorb, das gesamte Atemsystem wird aktiviert. Der Übende erlebt sich im Anschluss offener im Brustbereich und freier in der Atmung.

Fazit

Die Übungen zum freien Atem haben sich als begleitende Maßnahmen zur psychotherapeutischen Gesprächstherapie als sehr förderlich für die Entwicklung der Patienten erwiesen.

Die Möglichkeit, der “Zentrierung” von einem “Nur-offen-Sein für die Umwelt” zu einem “eigenen Zentrum bei sich selbst, wo man sich als Person erlebt”, war für Angstpatienten sehr hilfreich. Durch die Übungen konnte diese Zentrierung kennengelernt, erlebt und auch “trainiert” werden.

Bei allen Übungen konnte auch eine differenziertere Selbstwahrnehmung erfahren werden. Sie lernten ihren Körper in gegliederter Weise (insbesondere Rumpf-, Brust- und Kopfbereich bzw. deren Stellung zueinander) kennen. Die insbesondere bei Angst- und depressiven Störungen oft beobachtbare „eingesunkene“ Körperhaltung konnte signifikant verbessert werden. Durch die deutlich verbesserte Haltung der Patienten vermochten diese auch leichter neues Selbstbewusstsein zu fassen und für ihr persönliches Leben neue Ziele zu formulieren.

Die Patienten berichten, dass sie die angeleiteten Atemübungen in ihrem Alltag weiterhin beibehalten haben und sie sich dadurch bestärkt fühlten, ihre neu gefassten Ideen und Ziele mutig in die Umsetzung zu bringen. Im Allgemeinen waren die Patienten im Nachhinein selbstbestimmter und in der Haltung aufrechter zu erleben, ihre Bewegungen wirkten dynamisch und schwungvoll.